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Fonds sollen weiblicher werden

8 Prozent der Fondsmanager sind Frauen / Neues Netzwerk


Frankfurt, 24. Februar. Seit einiger Zeit wird immer mal wieder darüber diskutiert, ob die Finanzkrise zu verhindern gewesen wäre, wenn es nicht nur Lehman Brothers, sondern auch Lehman Sisters gegeben hätte. Dieses Gedankenspiel fällt, wenig überraschend, je nach Geschlecht unterschiedlich aus. Frauen aus der internationalen Finanzbranche wie die IWF-Chefin Christine Lagarde behaupten stets, dass Männer mehr ins Risiko gingen, wärend Frauen eher am nachhaltigen Profit orientiert seien. Männer kontern mit Studien, in denen eine erhöhte Risikobereitschaft vor allem in gemischt-geschlechtlichen Teams festgestellt wird. Als Beleg gilt ihnen nicht zuletzt die Entwicklung der zurückliegenden Jahrzehnte, als in der Finanzwirtschaft nicht nur der Frauenanteil gestiegen ist, sondern auch die Risikotoleranz. "Eine Quote macht noch keinen Kulturwandel und keine Verhaltensänderung", sagt Anne Connelly, Marketingdirektorin für Morningstar Europe und Mitbegründerin des Netzwerks "Fondsfrauen", in dem sich Frauen beim Einstieg in die Invetmentfondsindustrie und anschließend bei der Karriere gegenseitig unterstützen wollen: "Unser Thema ist Courage."

Bisher ist das Fondsmanagement vor allem Männersache, wie eine Analyse ergab, die die Fondsfrauen bei ihrer Gründungsveranstaltung am Montagabend in Frankfurt präsentierten. Unter den 1021 namentlich bekannten Fondsmanagern in Deutschland sind 86 weiblich, was einem Frauenanteil von 8,42 Prozent entspricht. Auf der mittleren Führungsebene liegt der Anteil noch bei 16 Prozent. In anderen Ländern sieht es ähnlich aus. In den Vereinigten Staaten, auch das ergab eine Morningstar-Analyse, haben die Männer seit der Finanzkrise sogar noch mehr die Oberhand gewonnen. Seit 2009 hat sich dort der ANteil weiblicher Führungskräfte im Fondsmanagement von 10 Prozent auf 7 Prozent verringert. "Man kann in der Fondsbranche sehr wohl Karriere machen", behauptet Connelly, die einst in Amerika arbeitete und danach als Geschäftsführerin von Morningstar Deutschland fungierte. Die Männer ständen "nicht zwingend im Weg". Die Frage ist aber: "Wie kriegen wir die Jungs dazu, uns für voll zu nehmen?"

Dass Frauen anders investieren als Männer, erklärte Anne Dembowski, Finanzjournalistin und ebenfalls Gründungsmitglied, nicht mit den geläufigen Ergebnissen aus der Neurowissenschaft, sondern anhand eines Vergleichs ausgewählter Fonds. Die von Frauen geführten Fonds würden zwar nicht unbedingt besser abschneiden, aber deren Depot-Ergebnisse seien weniger breit gestreut. Was Dembowski zu einer Schlussfolgerung führt: "Männer gehen offenbar mehr ins Risiko." Pointierter drücke es Michaela Krahwinkel aus, die bei Union Investment die Performance-Analyse leitet und im Beirat der Fondsfrauen GmbH sitzt: "Männer überschätzen sich, Frauen sind realistischer." Was helfe, sei Vielfalt. "Ich werde nicht darauf hinarbeiten, dass Quoten erfüllt werden, sondern dass es zu einem ausgeglicheneren Miteinander kommt."

Im Jahr 2019 solle der Frauenanteil unter den Fondsmanagern 30 Prozent betragen, lautet das Ziel der Fondsfrauen. Dabei dürfte ihnen die EU-Finanzmarktrichtlinie entgegenkommen. Mifid II sieht vor, dass Gremien nach "Diversity" besetzt werden müssen - andernfalls könnte der Lizenzentzug drohen.

Quelle: FAZ
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