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Die neue Wahl beim Bezahlen

Deutschlands Verbraucher können sich am Kartenterminal im Geschäft künftig zwischen Girocard, Maestro und VPay entscheiden 

 

Von Jörn Bender

Frankfurt/Main. „Sie haben die Wahl. Esso empfiehlt: Zahlung mit Girocard.“ Was manchen Kunden neuerdings beim Bezahlen an der Tankstelle verwirrt, sollte an Deutschlands Ladenkassen seit Juni Standard sein. Wer mit der landläufig immer noch EC-Karte genannten Girocard zahlt, darf auswählen, ob das Geld per Girocard, Maestro oder VPay vom Konto abgebucht wird. Doch der Handel hinkt hinterher.

Kartenterminal

Was hat es mit der Wahlmöglichkeit auf sich?

Auf vielen Zahlungskarten sind die Systeme mehrerer Anbieter hinterlegt. Führend in Deutschland ist die Girocard (EC-Karte). Gut 100 Millionen Girocards haben Banken und Sparkassen in Deutschland im Umlauf. Auf vielen dieser Karten findet sich zusätzlich das Maestro-Logo der Kreditkartenfirma Mastercard oder VPay vom Konkurrenten Visa. Ähnlich ist es in anderen EU-Staaten. Eine EU-Verordnung gibt Verbrauchern die Chance, beim elektronischen Bezahlen zu wählen, über welches Unternehmen sie zahlen wollen.

 

Was will die EU-Kommission erreichen?

Niedrige Kosten. Die Verbraucher sollen die Marke wählen können, die am kostengünstigsten ist. Und Einzelhändler sollen diese begünstigen dürfen.

 

Ist die Verordnung in Deutschland schon umgesetzt?

Die Verordnung gilt seit 9. Juni 2016, umgesetzt ist sie im deutschen Einzelhandel nur vereinzelt. Knapp 800 000 Bezahlterminals in Deutschland sollen mit neuer Software ausgestattet werden. Der Branchenverband HDE schätzt, dass die Umrüstung bis weit ins kommende Jahr dauern kann.

 

Warum dauert es so lange?

Die Händler haben gemeinsam mit den Betreibern der Kassennetzwerke an einer Lösung getüftelt, die der Vorschrift gerecht wird, zugleich aber verhindert, dass an Kassen lange Schlangen entstehen, weil das Verfahren für Kunden womöglich zu kompliziert wird. Kunden, die auswählen wollen, müssen künftig eine Taste am Bezahlterminal drücken. Alle anderen Kunden können wie bisher bezahlen.

  

Profitieren die Verbraucher?

Für Kunden in Deutschland macht es keinen Unterschied, ob sie per Girocard, über Maestro oder VPay bezahlen. Zusätzliche Kosten entstehen für Verbraucher nicht – egal welche dieser Bezahlarten sie nutzen. Das Verfahren ist identisch: Karte ins Lesegerät stecken, Zahlung per Geheimnummer freigeben – fertig. Allerdings funktioniert Girocard nur in Deutschland, VPay in vielen Ländern Europas, Maestro weltweit.

  

Warum gibt es die neue EU-Regelung überhaupt?

In manchen Ländern, etwa in Frankreich, gibt es Karten, die zugleich Debit- und Kreditkarte sind. Der Kunde hat also beim Einkaufen durchaus die Wahl, ob sein Konto sofort belastet wird oder erst mit Zeitverzögerung. Solche Karten gibt es in Deutschland bisher nicht.

 

Was bedeutet die Neuregelung für den Handel?

Geschäfte könnten mehr zahlen. Denn die Gebühren für das Kreditkartenverfahren sind deutlich höher, weil eine zusätzliche Bank dazwischengeschaltet ist. Bei Zahlung mit Girocard belaufen sich die Kosten auf 0,2 Prozent des Umsatzes plus die Kosten für den Netzbetrieb. „VPay und Maestro kosten den Handel mindestens das Doppelte“, heißt es beim Handelsverband HDE.

  

Wer könnte von der Neuregelung profitieren?

Eine Chance ist das Auswahlverfahren an der Kasse für Kreditkartenanbieter wie Mastercard und Visa. Zumindest können die US-Kartenriesen darauf hoffen, in Deutschland bekannter zu werden und neue Kunden zu bekommen. Bislang waren Maestro und VPay für die heimische Kreditwirtschaft keine echte Konkurrenz. Nach einer Studie des Handelsinstituts EHI für 2015 wurden 23,2 Prozent der gesamten Umsätze im Einzelhandel in Deutschland per Girocard-Verfahren beglichen, Maestro und VPay kamen zusammen auf 0,8 Prozent. dpa

 

 

 

 


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